Natur

Artenreiche Flachland-Mähwiese

Natur- und Artenschutz

Ein Teil der Wiesenareale innerhalb des Plangebiets ist als Mähwiese ausgeprägt und als solche von höchstem ökologischem Wert. Hier leben nach deutschem Naturschutzrecht streng geschützte Tagschmetterlinge aus der Gruppe der Ameisenbläulinge. Eine Art ist sicher, die andere mit hoher Wahrscheinlichkeit im Gebiet anzutreffen. Es handelt sich bei diesen beiden Arten um den Hellen und den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Beide Arten zählen als naturkundliche Juwelen zu den besonderen Naturschätzen des Steinachtals. Sie leben in strenger Abhängigkeit vom Vorkommen einerseits des Großen Wiesenknopfes, einer für diesen Lebensraum typischen Pflanze nährstoffarmer Pfeifengraswiesen, und andererseits spezieller Wiesenameisen, mit denen die Raupen der Falter in einer engen Lebensgemeinschaft leben.

Der ökologische Wert dieser Mähwiesen ist naturschutzfachlich so hoch einzustufen, dass diese Flächen vollständig aus der Bebauungsplanung herausgenommen werden müssen.

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling, fotografiert in Wilhelmsfeld – Foto: J. Schwarz

Aber auch die Wiesenflächen links und rechts der Schriesheimer Straße sind in ökologischer Hinsicht als erhaltenswert zu betrachten. Dies insbesondere, weil die Mähwiesen, auf denen die streng geschützten Bläulinge leben, im Laufe der Jahre schon durch die derzeitige Nutzung stark reduziert wurden. Mit ein wenig naturschutzfachlicher Unterstützung können die Wiesen im oberen Bereich des Plangebiets wieder zu guten und artenreichen Schmetterlingslebensräumen entwickelt werden.

Bodenschutz (Update)

Der BUND Baden-Württemberg kämpft schon seit vielen Jahren gegen den stetig fortschreitenden Verlust gesunder Böden durch Überbauung für Wohn-, Gewerbe- und Verkehrszwecke und unterstützt nicht zuletzt deshalb die Ziele der Bürgerinitiative. Zusammen werden sie sich vehement gegen weitere Bodenversiegelungen stellen.
Gesunde Böden stellen einen komplexen und artenreichen biologischen Lebensraum dar. Darüber hinaus bilden sie die unverzichtbare Grundlage für den Erhalt und die Sicherung aller Landökosysteme. Gleichzeitig sind sie wegen ihrer vielfältigen Funktionen elementar wichtig für Mensch und Natur. Nicht zuletzt bilden sie die Quelle fast aller unserer Nahrungsmittel. Böden wirken zudem als Puffer und Filter gegenüber Schadstoffen und schützen dadurch insbesondere unser Grundwasser. Der Schutz unserer Böden vor Erosion, Versiegelung und Kontamination sollte deshalb von jeder kommunalen Verwaltung stets zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben und Verantwortlichkeiten gegenüber künftigen Generationen gezählt werden.

„Let’s Talk About Soil“ – Warum verantwortungsvoller Bodenschutz essenziell ist (dt., 5:48 min)

„Let's Talk About Soil“ – Warum verantwortungsvoller Bodenschutz essenziell ist

Foto: wikipedia.de

Klimaschutz

Unversiegelte Böden nehmen das Niederschlagswasser auf, halten es und geben es verzögert durch Verdunstung wieder an die Atmosphäre ab. Diese Verdunstung ist es, die wir als kühlende Frischluft spüren, wenn westliche Winde sie in den Ort tragen. Von versiegelten Böden, die unweigerlich in Gewerbegebieten entstehen, wird das Wasser dagegen schnell zusammengeführt und über Rohrleitungen und die Kanalisation „entsorgt“.

Eine wichtige Funktion des Bodens für das lokale Klima geht an dieser Stelle verloren oder wird zumindest stark eingeschränkt, auch wenn die Planungen versprechen werden, das Niederschlagswasser nach Möglichkeit im Gebiet zu halten.

Darüber hinaus bindet ein natürlicher und lebendiger Boden viel Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) und hilft so, den Treibhauseffekt zu begrenzen.

Foto: Rolf Verres

Verlust landwirtschaftlicher Fläche

Zum Plangebiet gehören ca. 1,5 ha Ackerland, welche als landwirtschaftliche Produktionsfläche verloren gehen könnten. Dies erachten wir in Anbetracht des sich noch immer ungebremst fortsetzenden Verlustes unverbauter Flächen (in Baden-Württemberg jeden Tag durchschnittlich 4,8 ha) und der damit einhergehenden Verknappung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen als bedenklich.

Kommentar zum Thema: 1

Verordnung des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet „Odenwald“ vom 26. Nov. 1996

Ҥ 3 Schutzzweck:
Wesentlicher Schutzzweck ist:

4. Die an den naturgegebenen Voraussetzungen orientierte Bodennutzung, welche die Vielfalt der Erscheinungsformen der Kulturlandschaft bedingt, zu bewahren und wiederherzustellen.“ …

Landschaftsschutz

Mit der Verbauung der offenen Landschaft vor seinen Toren am westlichen Ortsrand würde Wilhelmsfeld den für Erholungsuchende aus der Metropolregion attraktiven und gebietstypischen Charakter verlieren. Aus der Rheinebene ankommende Gäste könnten künftig von Gewerbe- und Parkplatzflächen anstatt von einer ganzjährig schönen Wiesenfläche empfangen werden.

Weitere Informationen zu diesen Themen finden Sie im Kapitel Hintergründe: Externe Links zu ökologischen Themen

Fotocollage: B.I.S. aus eigenem Bildmaterial

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling – Steckbrief des Bundesamts für Naturschutz

„Magere Flachland-Mähwiesen“ – Steckbrief des Lebensraumtyps bei der LUBW

Bodenfunktionen – der ökologische Wert der Böden (Bundesverband Boden e.V.)

Internationaler Tag des Bodens – Themenseite des baden-württembergischen Umweltministeriums

Informationen des BUND und des Bundesbündnis Bodenschutz e.V. zum Tag des Bodens (PDF)

BUND fordert nachhaltiges Flächenmanagement in der MetropolregionPressemitteilung des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald vom 25.01.2021  – PDF (174 KB)

Positionspapier der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald LV Baden-Württemberg e.V. zum Flächenverbrauch

Siedlungs- und Verkehrsfläche der baden-württembergischen Kreise – Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Flächenverbrauch ist wieder leicht angestiegen – Thomas Faltin, Stuttgarter Zeitung v. 15.09.2020

Verordnung des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet „Odenwald“ vom 26. Nov. 1996